Die Sehnsucht nach der verlorenen Weiblichkeit

Die Sehnsucht nach der verlorenen Weiblichkeit

Tief in uns Frauen schlummert ein Wissen über die Vielschichtigkeit der Weiblichkeit und ein sehnsüchtiger Wunsch, diese auszudrücken. Sich in seiner ureigensten Weiblichkeit zu zeigen und darin angenommen zu werden. Aber das ist gar nicht so leicht. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft hat Mütterlichkeit, weiblicher Ausdruck und Zartheit keinen großen Stellenwert.
Noch schlimmer, wenn eine unerfahrene Frau sich von ihrer zarten liebevollen Seite zeigt, ist sie in großer Gefahr, ausgenutzt und nicht ernst genommen zu werden. Für besonders großherzige Frauen lauern auch noch jede Menge alte "weibliche" Opferrollen, weil sie scheinbar zu sehr lieben und zu viel Mitgefühl empfinden. Hat FRAU dass schon einmal erlebt, wird sie sich sehr davor hüten, sich in ihrer weiblichen Berührbarkeit zu zeigen, um nicht verletzt zu werden, bzw. einfach um zu überleben.

So führt der Weg manchmal dazu, sich burschikos zu geben und eher männliche Strategien und Verhaltensweise anzunehmen, um sich im Leben durch zu schlagen. Alternativ ist auch das Massenmedium Fernsehen voll mit weiblichen Rollenbildern, die durch ihre ungemein kecke Art, übertriebene, egoistische oder sinnliche Art das Leben auf dem Bildschirm in unserem Wohnzimmer meistern. Doch all diese Rollenbilder können uns Frauen vielleicht auf Ideen bringen, aber wir sind mit dem Übernehmen von Rollen nicht mit unserer weiblichen Urnatur und damit mit unserer "wahren Kraft" verbunden.

Die Verbundenheit zur weiblichen Urnatur

Unsere Kultur in Mitteleuropa hat sicherlich viele Fortschritte & Entwicklungen gebracht, aber auf emotionaler Ebene und in Bezug auf das Verständnis und Wertschätzung der weiblichen Psyche sind wir im Vergleich zu anderen "nicht so fortschrittliche Kulturen" verarmt. Es geht natürlich nicht darum, sich zurück zu entwickeln, was in Wirklichkeit auch nicht möglich ist. Es geht darum, sich von dem alten verlorenen Wissen berühren zu lassen, seiner eigenen inneren Intuition & Frauenweisheit zu lauschen und Strategien zu finden, diese Kraft im Leben zu integrieren.

Manche Frauen erhalten durch das Lesen von Liebesromanen die Verbindung zu ihrer "Inneren Frau" aufrecht, indem sie mit den romantischen Erlebnissen der Heldin in ihrer Phantasie mit(er)leben. Aber diese Innere Frau bleibt manchmal nur Teil der Phantasiewelt. Doch wenn der ausgewählte Lesestoff für die "Seele" bzw. die Psyche hochwertig ist, kann ein Mythus, eine Lebensgeschichte, aber auch ein Märchen, einer Frau Tore des inneren Wissens eröffnen und damit Wege erschließen, diese Innere Frau ins Leben zu bringen. Sehr empfehlenswert empfinde ich z.B. das Buch die "Wolfsfrau" von Clarissa Pinkola Estés oder "Vom weiblichen Ungehorsam" von Ega Friedmann, um sich von dieser Frauenweisheit berühren zu lassen.

Ein wesentlicher, aber meist nicht mehr verstandener Aspekt unserer weiblichen Urnatur ist mit der monatlichen Menstruation verbunden.

Schätzungen schwanken im Allgemeinen, aber die Zahlen lassen vermuten, dass bis zu 90% aller Frauen, ohne organisch krank zu sein, an Menstruationsstörungen leiden. Das kann von schmerzhaften Krämpfen bis zu ausbleibenden Blutungen reichen. (Entnommen aus dem Buch: "Die weise Wunde - Menstruation" von Penelope Shuttle und Peter Redgrove)

Interessanterweise berichten viele Frauen, dass durch die Auseinandersetzung mit ihrer Inneren Frau und der Weiblichkeit, Schmerzen und andere Begleiterscheinungen der Menstruation nachhaltig ausgeblieben sind. Als wenn dieser Schmerz der mit dem Frau-Sein zu tun hatte, mit dem Finden der Inneren Frau erlöst werden konnte.

Das Mysterium - Menstruation

Was will wieder gefunden werden? Oder was gibt es als Frau darüber zu wissen? In alten und/oder anderen Kulturen weiß man von der besonderen Zeit, in der ein Mädchen ihre ersten Blutungen (Menarche) hat. Zu diesem Zeitpunkt wird das junge Mädchen durch Träume und Intuition auf ihre Lebensaufgabe und Berufung vorbereitet. Wissende Familienmitglieder unterstützen die heranwachsende Frau in diesem Prozess und geben ihr viel Raum, um sich innerlich mit den Botschaften der Seele auseinander zu setzen. Mädchen die z.B. als Heilerinnen oder Schamaninnen berufen sind, haben ihre ersten Kontakte mit ihren Geistführern.

Wie traurig, dass die meisten Frauen unserer Kultur nicht mehr davon wissen und diese Zeit unbewusst vorüber geht. Besonders tragisch ist es aber für Mädchen, in denen ungewöhnliche Fähigkeiten wie Hellsichtigkeit, Medialität und andere Seelenqualitäten erwachen, die in unserer Kultur keinen Platz haben. Statt der gebrauchten Förderung und Unterstützung, erfahren diese Mädchen oft einfach nur Ablehnung und werden mit ihren Herausforderungen alleine gelassen.

Das ist aber erst der Anfang. Hinter der oft von Männer so gefürchteten Zeit des Prämenstruellen Syndrom (PMS), verbirgt sich eine transformatorische Qualität der Frau. In dieser Zeit, aber besonders kurz bevor die Blutungen einsetzen, sind Frauen mit sehr herausfordernden psychischen Prozessen konfrontiert. Die sich - harmlos ausgedrückt - als Stimmungsschwankungen ausdrücken können. Oft aber von heftigen körperlichen Reaktionen begleitet sind.

Dahinter steckt aber meist keine körperliche Schwäche, sondern etwas ganz anderes. Wird diese Zeit bewusst erlebt und lauscht man der Botschaft, zeigen sich aktuelle Lebensthemen die gemeistert gehören. Als Esoteriker könnte man sage, die Seele verbindet sich mit dem Körper und initiiert eine Rückverbindung mit dem Lebensplan. Ist frau davon abgewichen, ist es ähnlich, wie eine kurze Lebenskrise. Oder es werden die nächsten Schritte im Leben aufgezeigt, die vielleicht viel Mut und Überwindung innerer und äußerer Schranken bedürfen.

Ist die Frau gewöhnt, mit diesen Prozessen umzugehen, erfährt sie diesen Prozess keineswegs schmerzhaft, sondern lauscht innerlich, welche Lebensschritte für sie anstehen und mit den Blutungen kommen auch schon die Lösungsansätze. Denn in dieser Zeit, ist die Frau tief mit ihrer inneren Weisheit verbunden. Es ist wirklich klug, sich in dieser Zeit auch mal zurück zu ziehen, um seinem Inneren zu lauschen.

Dann, nach der Menstruation, kommt für viele Frauen ein Energieschub, mit dem sie Bäume ausreißen könnten. Diese Zeit kann optimal genutzt werden, um die Themen, die sich gezeigt haben, rasch und voller Elan zu lösen. Aber vielleicht ist das auch nur ein Lösungsansatz und es gibt noch optimalere Strategien, mit dieser Zeit bewusst umzugehen. Diese Zeilen sollen Mut machen, diese Zeit mit anderen Augen zu sehen und dem eigenen Körper und der Psyche ernst zu nehmen.

Hysterie oder Empfindsamkeit

Welche Geheimnisse rund um den Frauenkörper gilt es noch zu lüften? Lange wurde argumentiert, dass zwischen Frauen und Männer nicht viel Unterschied ist. Sicherlich besonders deswegen, weil auf Frauen herabgesehen wurde und sie auch heute noch in vielen Ländern als Menschen zweiter Klasse gesehen werden.. Aber es gibt einige Unterschiede, die respektiert und besonders wertgeschätzt werden sollten, da sich dahinter viele Gaben befinden.

Zitat aus dem Buch, die weise Wunde - Menstruation: Es muss festgestellt werden, dass die erotische Kapazität der Frau, ihre Fähigkeit, die Welt und die Natur der Menschen zu erfühlen - und zwar im Sinne des Erfahrens im Gegensatz zu einem abstrakten oder "geistigen" Erfassens, größer ist als die des Mannes. Sie hat ein tieferes sensuelles Vermögen zur Wahrnehmung der realen Welt, als der Mann und ist aufgrund ihrer nervlichen Organisation fähiger, körperliche und geistige Erfahrung miteinander in Beziehung zu setzen. Das bedeutet aber auch, dass Frauen von Natur aus durch ihre körperliche Wahrnehmungsfähigkeit wesentlich sensibler und feinfühliger sind, als Männer.

So kann ein Mann von einer Situation, in der Gewalt eine Rolle spielte, vielleicht vollkommen unberührt bleiben und eine Frau ist durch die gleiche Situation am Rande ihrer Belastungsfähigkeit, bricht in Tränen aus und braucht Tage, um sich von diesem Erlebnis zu erholen. In vielen Fällen wurde diese Urnatur als Hysterie der Frau abgetan. Im positiven Sinne, ist diese Fähigkeit sehr segensreich. Durch dieses natürliche Eingebunden-Sein in das Leben und in die Zyklen, ist die Frau mit einer tiefen Weisheit und Mütterlichkeit ausgestattet, die, wenn vom Umfeld geschätzt, unter anderem viel Wärme, Geborgenheit und Liebe in eine Familie, Gruppe oder Gemeinschaft bringen kann.

Eine Schwämme von Büchern und Karten über das Thema "Göttinnen" zeigt den kollektiven Durst der Frauen nach Archetypen ihres Wesens, neuen Vorbildern, um mit ihrer eigenen Kraft in Berührung zu kommen. Auch ein spirituelles Erwachen wird bei einer Frau sehr wahrscheinlich anders ablaufen, als die eher männlichen Wege das beschreiben. Es geht hier aber nicht darum, was besser ist, also der männliche oder weibliche Weg, sondern darum, was entspricht meinem Wesen, mit was fühle ich mich wohl und verstanden? Nur so ein Weg kann zur inneren Mitte und damit zur Selbstliebe und Selbstannahme führen. In dieser Selbstliebe kann eine "Frau" einem Mann ganz anders begegnen, und zwar in einer inneren Reife und einem Selbstverständnis, die neue Dimensionen des miteinander eröffnen können.

Ich wünsche Dir, liebe Leserin, eine spannende Reise zu den Mysterien Deines weiblichen Wesens!

Herzlichst,
Sabine Ruprecht